Panel: Man kann nicht nicht kommunizieren

Im Panel „Man kann nicht nicht kommunizieren – aber falsch. Was Kompetenz bei Kommunikation bedeutet und wie man sie vermittelt“, gab Prof. Dr. Ulf Boes Antworten auf die Frage wie Mensch sich kommunikativ verhalten kann und erörtete Kommunikationsprobleme sowie Möglichkeiten der Kommunikationskompetenz-Vermittlung im Studium.

Grundsätzliches Problem vieler Studiengänge sind seiner Ansicht nach die wenig praxisbezogenen Aufgabengebiete. Mediziner beispielsweise verbringen die ersten vier Studienjahre mit Multiple-Choice Tests und sind oft verwundert oder gar verärgert, wenn sie im fünften Studienjahr plötzlich auf freie Fragestellungen antworten sollen.

Daher stellt sich die Frage, wie man Studierenden schon während des Studiums nötige Kompetenzen vermitteln kann, die in der Berufspraxis entscheidend sind und verlangt werden. Da wäre erst einmal zu klären, was Kommunikation überhaupt ist.

-„Oft ist uns nicht der Kern einer anderen Meinung zuwider, sondern der Ton in dem sie vorgetragen wurde.“ – (Nietzsche)

Kommunikation beinhaltet neben Sprache auch Körpersprache (Gestik, Mimik, Blickkontakt), Kleidung, Wortwahl, Haltung und den Klang der Stimme. Mit jedem Verhalten kommuniziert der Kommunikator einen Stimulus an seine Rezipienten: Wer beispielsweise im Seminar grundsätzlich lieber schweigt anstatt mitzureden, kommuniziert durch diese „Nicht-Kommunikation“ Unsicherheit, Nichtwissen, Selbstschutz. Gleiches gilt, wenn man Meldungen mit „Ich habe mal ’ne dumme Frage…“ einleitet.

Hochschulen zwingen die Studierenden allerdings früher oder später zur Selbstpräsentation. Es entsteht ein formaler Zwang zur Aussage. Im Voraus zu wissen, welches Ziel meine Frage oder Aussage verfolgt (Beschreibung, Erklärung, Prognose, Gestaltung, Kritik/Bewertung) ist dabei essentiell.

Außerdem ist die Herleitung von Antworten auf bestimmte Fragen entscheidend. „Ist das Glas halbvoll oder halbleer?“ würde von vielen intuitiv mit „halbvoll“ beantwortet werden. Bezieht man allerdings die Herangehensweise in seine Antwort mit ein, kommt es darauf an, ob das Glas zu Beginn leer war und daraufhin halb befüllt wurde (halbvoll), oder aber ob das Glas zu Beginn voll war, inzwischen aber schon halb geleert ist (halbleer). Folglich müssen Studierende verstehen, dass es erstens nicht den einen Ansatz an Fragestellungen gibt und zweitens den Prozess sowie die Möglichkeit verschiedener Herangehensweisen akzeptieren.

Hier könnte man die Inszenierung eines Theaterstückes als Metapher anwenden: Der Vorhang fällt zwar erst bei der Premiere, es ist allerdings im Vorhinein zu klären für wen überhaupt welches Stück inszeniert wird, in welchem Stil et cetera.

Am Ende des Panels entstand eine Diskussion über mögliche Maßnahmen zur Vermittlung von Kommunikationskompetenzen. Die Anwesenden schlugen vor, dem Studierenden einen Kommunikations-Leitfaden an die Hand zu geben, sowie Kontakt zu Alumni herzustellen. Diese sollten noch zum Kreise des „Wirs“ zählen, allerdings schon in der Praxis angekommen sein und daher Erfahrungswerte vermitteln können, wie und warum Kommunikationskompetenzen von unschätzbarem Wert für die Laufbahn jedes Einzelnen sind.

Alexa Maria Kunz vom „House of Competence“ des KIT (Karlsruher Institut für Technologie), berichtete aus Karlsruhe, wo die Kompetenzvermittlung zum Wahlpflichtbereich gehört. Kurse zu akademischem Schreiben, Präsentation und Kommunikation, Körpersprache und allgemeinem Auftreten sind für Studierende dort verpflichtend. Und auch wenn Kunz betont, dass die Einführung ein langer Weg war, mit „viel Kampf, harter Arbeit und Gerangel“, wurde so schon zum Ende des Vortrags ein erster Lösungsansatz vorgestellt. Und wie schon gesagt, „der Prozess muss akzeptiert werden.“

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